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In der Stadt Bräunlingen kommen erneuerbare Energien in zahlreichen Formen vor. Die Stadtverwaltung unterstützt den Ausbau proaktiv. Bereits vor 100 Jahren wurde mit dem Bau der Brändbachtalsperre ein Wasserkraftwerk gebaut, das heute noch in Betrieb ist.


Die Stadt Bräunlingen hat immer wieder Anfragen von Investoren erhalten, die Freiflächen- Solaranlagen errichten wollten. Die Stadt hat sich hier für eine Potentialanalyse entscheiden und das das Umweltbüro Donaueschingen mit einer Potentialplanung beauftragt. Diese wurde 2020 im Gemeinderat beschlossen.

Die Vorgehensweise der Planung ist nachfolgend dargestellt.

  • Als erstes wurden Siedlungsflächen (inclusive der Flächen im Flächennutzungsplan) sowie Waldflächen mit einem Pufferstreifen von 30 m ausgeschieden.
  • Als nächstes wurden Naturschutzaspekte bearbeitet. Dabei wurden Naturschutzgebiete, Landschaftsschutzgebiete, FFH-Gebiete und geschützte Biotope ausgeschlossen. Das Vogelschutzgebiet wurde nicht einbezogen, da seine Schutzzwecke nicht zwangsläufig mit Freiflächen-Solaranalgen in Konflikt stehen. Wildwegekorridore waren nicht relevant, da sie im Wald verlaufen.
  • Als nächstes wurden Gebiete mit Hangneigungen von mehr als 10° nach Norden ausgeschieden. Dabei wurden Hangexpositionen, die von Norden abweichen, mit einem GIS-Algorithmus in Nordexposition umgerechnet. Ebenso wurden Überschwemmungsgebiete dargestellt.
  • Die landwirtschaftlichen Flächen in Bräunlingen teilen sich auf 3 Stufen auf: die Vorrangstufen I und II sowie Grenzflur. Es wurde lediglich Vorrangstufe I ausgeschlossen, da ansonsten kaum Potenziale für Photovoltaikanlagen verblieben wären.
  • Das Landschaftsbild wurde berücksichtigt, indem die landesweite Landschaftsbildbewertung der Uni Stuttgart mit einer zehnstufigen Skala angewandt wurde. Die Stufen 6-10 wurden als ungeeignet für Freiflächenanlagen definiert. Wäre auch die Stufe 5 einbezogen worden, wären weitere große Flächen weggefallen.
  • Der Ortschaftsrat Döggingen hatte großen Wert auf eine Sichtbarkeitsanalyse gelegt. Dazu wurden die Boden-Höhendaten so überarbeitet, dass Waldflächen in einer Höhe von 20 m dargestellt wurden und so die Abschirmung von Waldflächen berücksichtigt wurde. Nun wurden Punkte entlang der Ortsränder (außer Gewerbe) sowie für die Naherholung bedeutender Achsen und Gebiete definiert, von denen aus die Sichtbarkeit dargestellt werden sollte. Sodann wurden Entfernungsbereiche von 500 m, 1000 m und 1500 m von den Sichtpunkten berechnet. Für das weitere Vorgehen wird vorgeschlagen, eine Entfernung von 1000 m zu Grunde zu legen.
  • Ausschluss der Gebiete in der Flurneuordnung

Der Gemeinderat hat die Potentialanalyse mit großer Mehrheit beschlossen. Die vorliegenden Anträge von Investoren werden, soweit sie innerhalb der Kulisse liegen, positiv begleitet. Trotzdem ist jede Anfrage eine Einzelfallentscheidung und es besteht kein Anspruch auf Genehmigung. Die Stadt bietet ihre eigenen Grundstücke innerhalb der Kulisse auch zur Realisierung von Anlagen an. Die Karte wird als Selbstbindung betrachtet. Die Kommune erwartet einen Mehrwert.

Windkraft in Bräunlingen

Bereits im Jahr 2013 war von dem Betreiberkonsortium "dge Wind Baar eins GmbH" beabsichtigt, einen Windpark auf der Gemarkung der Stadt Bräunlingen zu errichten. Nachdem Windmessungen damals nicht zu den notwendigen Windgeschwindigkeiten bzw. zur benötigten Windhöffigkeit geführt hatte, ist das Projekt bis zum Jahresende 2017 auf Eis gelegen. Das Betreiberkonsortium ist dann auf die Stadt Bräunlingen zu gekommen, um das Projekt wieder zu forcieren.

Über einen genehmigten Flächennutzungsplan wurde auf Gemarkung der Stadt Bräunlingen eine Fläche ausgewiesen, auf der Windkraftanlagen errichtet werden können. Diese Fläche gehört zu etwa zwei Dritteln der Stadt Bräunlingen und einem Drittel dem Fürsten zu Fürstenberg. Das Fürstenhaus hat bereits einen Pachtvertrag mit dem Betreiberkonsortium zur Aufstellung von Windkraftanlagen auf dem Grund des Fürstenhauses abgeschlossen.

Die Stadt Bräunlingen musste entscheiden, ob sie ihrerseits die städtischen Flächen zur Aufstellen von Windkraftanlagen verpachten möchte. Der Gemeinderat hatte sich im April 2018 mit einer Dreiviertelmehrheit für die Verpachtung unter Auflagen entschieden. Diese Position wurde auch bei einem Bürgerentscheid im Oktober 2018 mit 55,4% der abgegebenen Stimmen bestätigt. In den vergangenen Monaten wurden intensive Vertragsverhandlungen geführt. Der Gemeinderat hat einem Pacht- und Kooperationsvertrag im Februar 2019 zugestimmt. Die Verträge wurden zwischenzeitlich unterzeichnet.

Kernpunkte der Verpachtung unter Auflagen (Gemeinderatsbeschluss und Bürgerentscheid) sind:

  • Nabenhöhe bis max. 160 Meter bzw. Gesamthöhe 230 Meter
  • Verpflichtung zur Umweltverträglichkeitsprüfung mit Öffentlichkeitsbeteiligung
  • Kein Unterschreiten der Mindestabstände ohne Zustimmung der Stadt
  • Null Stunden Schattenschlag für bewohnte Häuser
  • Bedarfsgerechte Nachtkennzeichnung oder zumindest Minimierung der Lichtimmissionen.

Im November 2019 hat das Konsortium – wie mit der Stadt vereinbart – die Ergebnisse des Windgutachtens veröffentlicht. In Nabenhöhe erwarten die Windgutachter im Schnitt zwischen 5,2 bis 5,3 Meter pro Sekunde, das Konsortium hat ursprünglich mit 5,5 Meter pro Sekunde gerechnet. Die Windgeschwindigkeit ist allerdings nur einer von mehreren Faktoren, die die Wirtschaftlichkeit eines Projekts beeinflussen. Mindestens genauso wichtig sind die Kosten für die Anlagen und der zum Standort passende Anlagentyp. Deshalb haben die Gesellschafter der Planungsgesellschaft DGE Wind Baar eins GmbH & Co. KG das Windpark-Layout überarbeitet und auf die vorliegende Windprognose optimiert. In der Folge wurde das Parklayout geändert und die Anzahl der Anlagen reduziert, umso auch den Ertrag zu verbessern. Das Konsortium hat die Planungen weiter vorangetrieben und das Layout nochmals angepasst. Dies wurde in der Gemeinderatssitzung vom 25.6.2020 vorgestellt, ebenso der aktuelle Planungsstand und das weitere Vorgehen. Zuletzt waren nun noch 3 Anlagen vom Typ Enercon E160 geplant. Es folgten verschiedene Beratungen im Gremium mit dem Konsortium. Im Sommer 2021 hatte das Konsortium dargelegt, dass sie nach Auslaufen des Bürgerentscheids (rechtliche Bindung bis Oktober 2021) über die Auflagen neu verhandeln wollen und die Höhenbegrenzung fallen sollte. Der Gemeinderat hatte erklärt weiter an den Auflagen festzuhalten. Mitte 2021 hatte das Konsortium mitgeteilt das Projekt unter den aktuellen Bedingungen nicht weiter zu betreiben.

Die Flächen bleiben nach wie vor für die Windkraft im Flächennutzungsplan.

Anlage

Informationsbroschüre zum Bürgerentscheid

1921/1922 wurde die Brändbachtalsperre in Unterbränd errichtet. Sie erzeugt umweltfreundlichen Strom aus Wasserkraft. In den letzten Jahren wurden hier im Durschnitt rund 500.000 kwh produziert.

Die Biowärme Bräunlingen GmbH, eine 100% Tochter der Stadt, betreibt ein regeneratives Nahwärmenetz im Gewerbegebiet Niederwiesen. Versorgt wird dieses durch die Biogasanlage am Palmhof.

Aktuell ist die Stadt in der Planung eines Nahwärmenetzes für die städtischen Gebäude an der Schulstraße mit Anbindung der Gartenvorstadt und der Altstadt. Hierzu soll eine Potentialanalyse durchgeführt werden.